Stafettenwechsel beim BJO

Der Bund Junges Ostpreußen hat einen neuen Vorsitzenden – Marius Jungk will den Bund noch stärker in der Heimat verwurzeln

Vorab die Visitenkarte: Wer ist der BJO und was will er? Der im Februar 2000 gegründete „Bund Junges Ostpreußen“ ist die Jugendorganisation der Landsmannschaft Ostpreußen. Die Mitglieder und Interessenten kommen überwiegend aus der Bundesrepublik, teils sind es Angehörige der deutschen Volksgruppe in Ostpreußen, aber auch junge Russen, Polen oder Litauer. Allen ist die Kulturlandschaft zwischen Weichsel und Memel ein wichtiges Anliegen. Anlässlich des diesjährigen Bundestreffens in Düsseldorf wählte der BJO neue Gremien und besuchte das Museum Haus Königsberg in Duisburg.

Bild: privat

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„Ein Jugendverband gehört einfach in jüngere Hände“, erklärte Stefan Hein, der von 2007 bis in den Herbst 2015 das Amt des Bundesvorsitzenden des BJO innehatte. Der 33-Jährige war sich während dieser Jahre stets bewusst, dass das Amt nur eine auf Zeit geliehene Verantwortungsübernahme ist. Nun sei der Augenblick gekommen, die Verantwortung weiterzugeben. Die „Stafette“ übernahm bei den jüngsten Wahlen der 25-jährige Marius Jungk. Der neue Bundesvorsitzende ist gebürtiger Bielefelder, er studiert derzeit Rechtswissenschaft an der Universität Passau. Jungk gehört zu jenen BJO-Mitgliedern, die aufgrund der eigenen Abstammung dem Verband nahe stehen. Sein Vater und die gesamte väterliche Familie stammen aus dem Kreis Sensburg in Ostpreußen, die Großmutter mütterlicherseits kommt aus Niederschlesien.

Als stellvertretender Bundesvorsitzender wurde Martin Rautenberg gewählt. Auch er hat familiäre Bezüge zu Ostpreußen, seine Großeltern stammen aus dem Ermland. Der 32-Jährige hat den BJO auf der Sommerfahrt nach Ostpreußen im Jahre 2009 kennen- und schätzengelernt. Von 2009 bis 2013 war er im Bundesvorstand des Verbandes tätig und engagiert sich nun auf einer neuen Position.

Im Gespräch mit der PAZ verrieten der neue Bundesvorsitzende Marius Jungk und sein Stellvertreter Martin Rautenberg einige ihrer Gedanken und Impulse für die Zukunft des BJO. Eines steht fest: Innerhalb der Jugendorganisation der Landsmannschaft Ostpreußen wollen sie eine moderierende Rolle einnehmen und den Mitgliedern für das kommende Jahr ein spannendes Veranstaltungsprogramm vorlegen.

Jungk möchte den BJO als erste Anlaufstelle für junge Leute etablieren, die etwas über Ostpreußen erfahren wollen. Der jungen Generation kann dieses besondere Land auf attraktive Weise nahegebracht werden – ganz unabhängig davon, ob jemand selbst ostpreußische Wurzeln hat.“ Der Vorsitzende ist überzeugt: „Nur durch Begeisterung der Jugend, sowohl bei uns in der Bundesrepublik als auch in den drei Teilen Ostpreußens kann diese Region tatsächlich in ihrem kulturellen Reichtum erhalten bleiben.“

Er betont: „Wir werden versuchen, uns noch weiter in den Regionen Ostpreußens selbst zu verwurzeln, und neben der deutschen Volksgruppe vor Ort den Kontakt zu jungen Russen, Polen und Litauern verstärken. Hier können wir zeigen, dass die deutsche Geschichte Ostpreußens durchaus identitätsstiftend in der Gegenwart sein kann. Auch die Brückenfunktion des Königsberger Gebietes zwischen Deutschland und Russland, für die Verbesserung der Beziehungen zwischen unseren Ländern ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert.“

Er betont: „Im Vordergrund steht für mich grundsätzlich die Idee, den jungen Leuten unter dem Leitspruch ‚Ostpreußen erleben‘ die Besonderheiten der Landschaft und der Geschichte zu vermitteln. Nur wenn die Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieser Region auf vielfältige Weise erfolgt, wird das Interesse der jungen Generation in der Bundesrepublik und auch in Ostpreußen selbst geweckt werden können.“

Geschichts- und Kulturpolitik seien ebenfalls wichtige Themen, zumal in der Schule Ostpreußen sowie Flucht und Vertreibung kaum noch erfasst werden. Außerdem gebe es immer weniger Zeitzeugen. Und noch ein Hinweis von Marius Jungk: „Auch mit Seminaren und Beiträgen in unserer Zeitschrift ‚FRITZ‘ versuchen wir zum einen, dem Vergessen entgegenzuwirken, und zum anderen, Wege für die Zukunft aufzuzeigen.“

Der stellvertretende Vorsitzende Martin Rautenberg sieht das Hauptziel des BJO in den nächsten Jahren darin, weiterhin junge und begeisterte Mitglieder zu gewinnen. Wichtig sei diesbezüglich das Gemeinschaftserlebnis, welches man bei Fahrten nach Ostpreußen erlebt. Sein Credo: „Der Kontakt zur verbliebenen deutschen Volksgruppe in Ostpreußen sollte meiner Meinung nach, wenn möglich, intensiviert werden. Eines unserer Ziele ist, langfristig dazu beizutragen, dass Ostpreußen in allen drei Teilen noch stärker als Reiseland etabliert wird.“

von Dieter Göllner

Veröffentlicht am 09.12.2015 in der PAZ

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